Die Arbeitswelt ist in Bewegung. Wo früher klare Grenzen herrschten, ist heute vieles flexibler geworden. Homeoffice, flexible Arbeitszeiten, neue Modelle – alles scheint möglich. Aber wie sieht es aus, wenn jemand eine Vollzeit- und eine Teilzeitstelle gleichzeitig haben möchte? Ist das erlaubt? Und vor allem: Macht das Sinn?
Erst mal sortieren: Was meinen wir eigentlich mit Vollzeit und Teilzeit?
Klingt anfangs banal, aber: Die Begriffe sind nicht so klar, wie man denkt. Vollzeit – das sind in Deutschland meistens 35 bis 40 Stunden pro Woche. Teilzeit ist im Grunde alles darunter. Heißt also: Auch wer 32 Stunden arbeitet, ist offiziell schon Teilzeitkraft. Verrückt, oder? Und genau hier beginnt schon die erste Verwirrung. Viele glauben nämlich, Teilzeit sei gleichbedeutend mit einem „kleinen Job“. Dabei kann Teilzeit alles Mögliche bedeuten – von 5 Stunden pro Woche bis hin zu 34. Eine einheitliche Definition gibt es nicht wirklich. Und das macht die Sache nicht gerade einfacher.
Vollzeit und Teilzeit gleichzeitig: Rechtlich möglich – aber mit ein paar Bedingungen

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Grundsätzlich: Ja, es ist erlaubt, mehrere Jobs gleichzeitig zu haben. Wer also in einer Firma Vollzeit arbeitet, darf sich theoretisch noch einen Nebenjob suchen. Egal, ob Minijob, Teilzeit oder sogar selbstständig. Aber – und das ist wichtig – der Hauptarbeitgeber muss in den meisten Fällen zustimmen. In vielen Verträgen steht das auch schwarz auf weiß. Und dann gibt’s da noch das Arbeitszeitgesetz. Acht Stunden am Tag sind die Regel, zehn nur in Ausnahmefällen – und dann auch nur, wenn innerhalb von sechs Monaten ein Ausgleich geschaffen wird. Zwei Jobs zu haben darf also nicht bedeuten, dass man 60 Stunden pro Woche durchackert.
Ein weiterer Punkt: Die Jobs dürfen sich nicht in die Quere kommen. Wer tagsüber in einem Büro arbeitet und abends Pizza ausliefert – okay. Aber wenn beide Jobs am gleichen Ort oder sogar in der gleichen Branche stattfinden, wird’s kritisch. Vor allem, wenn Betriebsgeheimnisse oder Wettbewerbsverbote im Spiel sind. Also: aufpassen.
Die Praxis: Klingt einfach, ist es aber nicht
Zwei Jobs gleichzeitig – das kann ganz schön knallen. Die größte Herausforderung? Zeit. Und Energie. Und Koordination. Wer schon einmal versucht hat, zwei Arbeitgeber gleichzeitig unter einen Hut zu bringen, weiß, was gemeint ist. Urlaube müssen abgestimmt werden. Krankheitstage auch. Und wehe, beide wollen dich gleichzeitig. Dazu kommt der mentale Aspekt. Zwei Jobs können schnell zu einer Belastung werden. Freizeit? Fehlanzeige. Ausschlafen? Schön wär’s. Und wenn man dann noch Familie oder Hobbys hat, wird es schnell eng. Was oft unterschätzt wird: die ständige gedankliche Umstellung. Morgens im Büro, nachmittags im Lager. Zwei Systeme, zwei Arbeitsweisen, zwei Teams. Das kann anstrengender sein, als man denkt. Und irgendwann macht der Kopf nicht mehr richtig mit.
Steuer & Sozialabgaben: nicht ohne Tücken

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Klar, wer zwei Jobs hat, verdient mehr – theoretisch. Praktisch sieht das manchmal anders aus. Denn: Das Finanzamt schläft nicht. Zwei lohnsteuerpflichtige Jobs bedeuten meist auch eine ungünstigere Steuerklasse – im Endeffekt bleibt dann weniger als gedacht. Auch die Sozialversicherung mischt mit. Wer einen Minijob nebenher macht, kommt oft noch ganz gut weg. Aber zwei sozialversicherungspflichtige Jobs? Da wird’s schnell teuer. Deshalb: Vorher beraten lassen. Lieber einmal zu viel als zu wenig. Und es gibt noch etwas: die Rentenversicherung. Wer lange in mehreren Jobs arbeitet, sammelt mehr Entgeltpunkte – das klingt gut. Aber nur, wenn man sich nicht unterwegs übernimmt. Gesundheit und Kontinuität sind langfristig wichtiger als ein paar Euro mehr pro Monat.
Vollzeit und Teilzeit gleichzeitig: Warum macht man das überhaupt?
Gute Frage. Es gibt viele Gründe. Geld ist einer davon. Klar – steigende Preise, unsichere Zeiten. Manche brauchen einfach das zweite Einkommen. Andere wollen sich umorientieren, was Neues ausprobieren oder ein zweites Standbein aufbauen. Auch spannend: Manche starten in einem neuen Bereich erst mal mit Teilzeit, bleiben aber vorerst noch in ihrer sicheren Vollzeitstelle. Das ist oft bei Quereinsteigern oder Studierenden der Fall. Nicht selten steckt hinter der Entscheidung auch ein gewisses Sicherheitsbedürfnis. Man will noch nicht alles auf eine Karte setzen. Und manchmal macht es schlicht Spaß, zwei komplett unterschiedliche Dinge zu tun. Kreative am Tag – Kurierfahrer am Abend. Warum nicht?
Was sagt das Umfeld?

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Ein Punkt, den viele unterschätzen: die Reaktion von außen. Familie, Freunde, Kollegen – alle haben eine Meinung. Die einen sagen: „Wow, du bist ja fleißig!“ Andere denken vielleicht: „Der oder die kann wohl nicht genug kriegen.“ Hier hilft: offen kommunizieren. Wenn das Umfeld weiß, warum man zwei Jobs macht, gibt es oft mehr Verständnis. Und man fühlt sich selbst auch wohler damit. Denn am Ende ist es eine sehr persönliche Entscheidung.
Klingt machbar – aber ist es das auch?
Letztlich ist es wie bei so vielen Dingen: Es kommt darauf an. Wer sich gut organisiert, klare Absprachen trifft und seine eigenen Grenzen kennt, kann das schaffen. Aber es ist kein Spaziergang. Und es ist auch nicht für jeden geeignet. Das Modell „Vollzeit + Teilzeit“ kann funktionieren – muss aber nicht. Man sollte sich vorher gut überlegen, warum man das macht, was man sich davon erhofft, und wie lange man das durchziehen will. Denn: Dauerhaft zwei Jobs zu stemmen, ist keine Kleinigkeit.
Am Ende bleibt die Frage
Zwei Jobs – ist das der neue Weg zur Selbstverwirklichung oder der direkte Weg ins Burnout? Beides kann stimmen. Entscheidend ist, wie man’s angeht. Wer realistisch plant, mit den Arbeitgebern spricht und ehrlich zu sich selbst ist, kann von so einem Modell profitieren. Aber: Augen auf. Und lieber einmal mehr nachdenken, bevor man doppelt schuftet. Vielleicht ist es nicht die Frage, ob man es kann – sondern ob man es sollte. Und wenn ja, für wie lange.